Alexander von Humboldt ist eine bekannte Persönlichkeit aus unserer Umfrage.
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Auf Position 296 (275, 313) in unserem monatlichen Ranking.
Allgemeines und Aktuelles
Alexander von Humboldt (1769–1859) gilt als einer der bedeutendsten Naturforscher der Geschichte und als Mitbegründer der modernen Geographie als empirische Wissenschaft. Er war ein Universalgenie, dessen ganzheitlicher Blick auf die Natur – die er als ein lebendiges Ganzes betrachtete – heute aktueller denn je ist. In Zeiten des Klimawandels wird er oft als "erster Klimatologe" gefeiert, da er bereits vor über 200 Jahren Zusammenhänge zwischen Waldrodungen, lokaler Klimaveränderung und ökologischen Folgen erkannte. Sein Name ist heute weltweit in hunderten Ortsnamen, Gebirgszügen, dem Humboldt-Strom und Bildungseinrichtungen wie der Berliner Humboldt-Universität präsent.
Karriere
Humboldts Laufbahn begann im preußischen Staatsdienst, wo er als Bergbeamter in Rekordzeit Karriere machte und das Bergwesen modernisierte. Doch sein eigentliches Ziel war die Weltreise. Nach dem Erbe seines beträchtlichen elterlichen Vermögens kündigte er den Staatsdienst und brach 1799 gemeinsam mit dem Botaniker Aimé Bonpland zur legendären Amerikareise (1799–1804) auf. Diese Reise legte den Grundstein für seinen Weltruhm. Später verbrachte er Jahrzehnte in Paris, dem damaligen Zentrum der Wissenschaft, um seine Daten auszuwerten. 1827 kehrte er nach Berlin zurück, wurde Kammerherr des preußischen Königs und unternahm 1829 auf Einladung des Zaren eine weitere große Forschungsreise durch Russland bis nach Zentralasien.
Bedeutende Werke
Sein schriftstellerisches Erbe ist gigantisch. Das bekannteste Werk ist der "Kosmos – Entwurf einer physischen Weltbeschreibung", in dem er versuchte, das gesamte Wissen seiner Zeit über die physische Welt zusammenzufassen.
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"Ansichten der Natur": Ein Werk, das wissenschaftliche Genauigkeit mit poetischer Sprache verband und Generationen von Forschern und Dichtern beeinflusste.
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"Reise in die Äquinoctial-Gegenden des Neuen Continents": Das monumentale 30-bändige Reisewerk über seine Amerikaspedition.
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"Tableau physique des Andes" (Naturgemälde der Anden): Eine wegweisende Infografik, die die Verteilung von Pflanzenarten in Abhängigkeit von der Höhe und dem Klima am Chimborazo zeigt.
Hintergrund und Privates
Humboldt wurde in eine wohlhabende preußische Adelsfamilie hineingeboren. Sein Vater war Offizier, seine Mutter stammte aus einer Hugenottenfamilie. Während sein Bruder Wilhelm von Humboldt die Bildungsreform und Sprachwissenschaft prägte, zog es Alexander in die Natur. Privat blieb er zeitlebens unverheiratet. Sein Leben war geprägt von einer rastlosen Arbeitsdisziplin und einem enormen Briefwechsel mit fast allen bedeutenden Intellektuellen seiner Zeit (darunter Goethe und Jefferson). Er gab sein gesamtes Vermögen für seine Forschungen und Publikationen aus, sodass er im Alter finanziell auf die Unterstützung des Königs angewiesen war.
Positionen und Engagement
Humboldt war ein glühender Verfechter der Freiheit und ein entschiedener Gegner der Sklaverei und des Kolonialismus. In seinen Schriften kritisierte er die Ausbeutung der indigenen Bevölkerung Südamerikas und die Unmenschlichkeit der Sklavenhaltung in den USA und Kuba scharf. Er glaubte an die Gleichwertigkeit aller Menschenrassen und setzte sich für Bildung und wissenschaftlichen Austausch über Grenzen hinweg ein. Politisch war er ein liberaler Denker, der oft im Spannungsfeld zwischen seiner Nähe zum preußischen Hof und seinen demokratischen Überzeugungen stand.
Handlungen und Auswirkungen
Seine Handlungen veränderten die Art und Weise, wie wir die Welt sehen. Er führte präzise Messinstrumente in die Feldarbeit ein und etablierte die vergleichende Klimatologie und Pflanzengeographie. Er erfand die Isothermen (Linien gleicher Temperatur auf Landkarten), die wir heute noch in jedem Wetterbericht sehen. Sein Konzept des "Netzes des Lebens" – die Idee, dass alles in der Natur miteinander verbunden ist – war die Geburtsstunde des ökologischen Denkens. Er förderte zahllose junge Talente, darunter Justus von Liebig und Charles Darwin, der Humboldt als seine größte Inspiration bezeichnete.
Sonstiges
Ein kurioser Aspekt seiner Arbeit war seine enorme Belastbarkeit. Während seiner Forschungsreisen setzte er sich oft selbst elektrischen Schlägen aus oder probierte giftige Substanzen (wie Curare), um deren Wirkung am eigenen Körper zu testen. Zudem war er für sein unglaubliches Redetempo und seine Fähigkeit bekannt, stundenlang komplexe Monologe zu halten, die seine Zuhörer sowohl faszinierten als auch erschöpften.
Weblinks
Zusammenfassung
Alexander von Humboldt war der letzte wahre Universalgelehrte, der die Natur nicht als Ansammlung isolierter Fakten, sondern als globales Ökosystem verstand. Durch seine Amerikareise und seine monumentalen Publikationen wie den "Kosmos" prägte er die moderne Wissenschaft. Sein Erbe lebt heute in unserem Verständnis von Ökologie, Klimaschutz und der Verbindung von Geistes- und Naturwissenschaften weiter.
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