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Der Begriff Tourismus-Druck beschreibt die negativen Auswirkungen, die durch eine hohe Konzentration von Touristinnen und Touristen auf eine Destination, ihre Infrastruktur, Umwelt und lokale Bevölkerung entstehen. Er umfasst sowohl ökologische als auch soziokulturelle und wirtschaftliche Belastungen, die durch unkontrolliertes oder massenhaftes Reiseaufkommen verursacht werden. Der Begriff wird häufig im Zusammenhang mit nachhaltigem Tourismus und Destinationsmanagement diskutiert.

Allgemeine Beschreibung

Tourismus-Druck entsteht, wenn die Anzahl der Besucherinnen und Besucher in einer Region die Tragfähigkeit der lokalen Gegebenheiten übersteigt. Diese Tragfähigkeit bezieht sich auf die ökologische, soziale und infrastrukturelle Kapazität einer Destination, den Tourismus ohne nachhaltige Schäden zu bewältigen. Während Tourismus oft als wirtschaftlicher Motor gilt, kann ein zu hoher Tourismus-Druck zu irreversiblen Schäden führen, die langfristig die Attraktivität und Lebensqualität einer Region beeinträchtigen.

Die Auswirkungen des Tourismus-Drucks sind vielfältig und betreffen unterschiedliche Bereiche. Ökologisch betrachtet führt eine hohe Besucherfrequenz häufig zu Umweltbelastungen wie erhöhter Abfallproduktion, Bodenverdichtung, Störung von Ökosystemen oder erhöhtem Ressourcenverbrauch. Besonders betroffen sind sensible Naturgebiete wie Nationalparks, Küstenregionen oder Gebirgslandschaften, in denen die natürliche Regenerationsfähigkeit durch den Tourismus überlastet wird. Soziale Folgen umfassen unter anderem die Verdrängung der lokalen Bevölkerung durch steigende Mieten, die Kommerzialisierung kultureller Traditionen oder die Überlastung öffentlicher Einrichtungen wie Verkehrsmittel und Gesundheitsdienste.

Wirtschaftlich kann Tourismus-Druck sowohl positive als auch negative Effekte haben. Kurzfristig generiert er Einnahmen und schafft Arbeitsplätze, doch langfristig kann eine einseitige Ausrichtung auf den Tourismus die lokale Wirtschaft anfällig für externe Schocks machen, etwa durch saisonale Schwankungen oder globale Krisen. Zudem führt die Abhängigkeit vom Tourismus oft zu einer Vernachlässigung anderer Wirtschaftssektoren, was die Resilienz einer Region schwächt. Ein weiteres Problem ist die sogenannte „Touristifizierung", bei der sich ganze Stadtviertel oder Regionen so stark an die Bedürfnisse von Touristinnen und Touristen anpassen, dass sie für die einheimische Bevölkerung an Lebensqualität verlieren.

Technische und methodische Erfassung

Zur Messung des Tourismus-Drucks werden verschiedene Indikatoren und Modelle herangezogen. Ein häufig verwendeter Ansatz ist die Berechnung der „Tourismusintensität", die das Verhältnis zwischen der Anzahl der Übernachtungen und der Einwohnerzahl einer Region angibt. Werte über 100 Prozent deuten auf einen hohen Tourismus-Druck hin, da die Anzahl der Touristinnen und Touristen die der lokalen Bevölkerung übersteigt. Weitere Kennzahlen sind die Besucherzahl pro Fläche (z. B. pro Quadratkilometer) oder die Auslastung kritischer Infrastrukturen wie Straßen, Wasser- und Abwassersysteme.

Moderne Monitoring-Systeme nutzen zudem Geodaten und Echtzeitanalysen, um Hotspots des Tourismus-Drucks zu identifizieren. Beispielsweise können Mobilfunkdaten oder Social-Media-Aktivitäten Aufschluss über Besucherströme geben. Diese Daten helfen Destinationen, gezielte Maßnahmen zur Steuerung des Tourismusaufkommens zu ergreifen, etwa durch die Einführung von Besucherobergrenzen oder die Lenkung von Touristinnen und Touristen in weniger frequentierte Gebiete. Internationale Organisationen wie die Welttourismusorganisation (UNWTO) oder die Europäische Umweltagentur (EEA) entwickeln Leitlinien und Standards zur Erfassung und Bewertung des Tourismus-Drucks, um nachhaltige Tourismusstrategien zu fördern.

Normen und Standards

Die Bewertung und Steuerung des Tourismus-Drucks orientiert sich an verschiedenen internationalen und nationalen Richtlinien. Die UNWTO hat beispielsweise die „Globalen Leitlinien für nachhaltigen Tourismus" veröffentlicht, die Empfehlungen zur Begrenzung negativer Auswirkungen des Tourismus enthalten. Auf europäischer Ebene gibt die Europäische Kommission mit der „Transition Pathway for Tourism" einen Rahmen vor, der unter anderem die Reduzierung des ökologischen Fußabdrucks des Tourismussektors vorsieht. In Deutschland sind zudem die Ziele der Deutschen Nachhaltigkeitsstrategie relevant, die eine umweltverträgliche und sozial gerechte Entwicklung des Tourismus fordern. Spezifische Normen wie die ISO 21401 (Nachhaltigkeitsmanagement für Beherbergungsbetriebe) bieten konkrete Handlungsanweisungen für touristische Akteure.

Abgrenzung zu ähnlichen Begriffen

Tourismus-Druck wird häufig mit verwandten Konzepten verwechselt, die jedoch unterschiedliche Aspekte des Tourismus beleuchten. Der Begriff „Overtourism" beschreibt eine extreme Form des Tourismus-Drucks, bei der die negativen Auswirkungen so gravierend sind, dass sie die Lebensqualität der lokalen Bevölkerung und die Attraktivität der Destination spürbar beeinträchtigen. Während Tourismus-Druck ein allgemeineres Phänomen darstellt, das auch moderate Belastungen umfasst, bezieht sich Overtourism auf akute Überlastungssituationen, die oft mit Protesten der Bevölkerung oder drastischen Gegenmaßnahmen einhergehen.

Ein weiterer verwandter Begriff ist „Tourismusbelastung", der sich primär auf die ökologischen und infrastrukturellen Folgen des Tourismus konzentriert, ohne die soziokulturellen Aspekte einzubeziehen. Im Gegensatz dazu umfasst Tourismus-Druck ein breiteres Spektrum an Auswirkungen und berücksichtigt auch wirtschaftliche und soziale Faktoren. Der Begriff „Massentourismus" wiederum beschreibt eine Form des Tourismus, die durch große Besucherzahlen und standardisierte Angebote gekennzeichnet ist, ohne zwangsläufig negative Auswirkungen zu implizieren. Massentourismus kann jedoch zu Tourismus-Druck führen, wenn er unkontrolliert stattfindet.

Anwendungsbereiche

  • Städtetourismus: In Metropolen wie Barcelona, Venedig oder Amsterdam führt der hohe Tourismus-Druck zu Gentrifizierung, steigenden Mieten und der Verdrängung lokaler Geschäfte. Städte reagieren mit Maßnahmen wie Besucherlenkung, Eintrittsgeldern für Sehenswürdigkeiten oder der Begrenzung von Kurzzeitvermietungen.
  • Natur- und Ökotourismus: In Schutzgebieten wie Nationalparks oder UNESCO-Welterbestätten gefährdet Tourismus-Druck empfindliche Ökosysteme. Beispiele sind die Galápagos-Inseln oder der Mount Everest, wo Besucherströme zu Umweltverschmutzung und ökologischen Schäden führen. Hier kommen oft Quotenregelungen oder geführte Touren zum Einsatz, um die Belastung zu kontrollieren.
  • Küsten- und Inselregionen: In beliebten Urlaubsregionen wie Mallorca, den Malediven oder der Karibik führt der Tourismus-Druck zu Wasserknappheit, Abfallproblemen und der Zerstörung von Korallenriffen. Nachhaltige Tourismuskonzepte wie „Slow Tourism" oder „Öko-Resorts" sollen hier Abhilfe schaffen.
  • Kulturtourismus: Historische Stätten wie die Akropolis in Athen oder die Pyramiden von Gizeh leiden unter Erosion und Vandalismus durch hohe Besucherzahlen. Maßnahmen wie Zeitfenster-Tickets oder digitale Besucherlenkungssysteme sollen den Erhalt der Stätten sichern.
  • Event-Tourismus: Großveranstaltungen wie die Olympischen Spiele oder Musikfestivals ziehen kurzfristig extrem viele Besucherinnen und Besucher an, was zu Überlastung der Infrastruktur und Umweltbelastungen führt. Hier werden oft temporäre Lösungen wie Shuttle-Services oder Abfallmanagementkonzepte eingesetzt.

Bekannte Beispiele

  • Venedig (Italien): Die Lagunenstadt ist ein extremes Beispiel für Overtourism. Mit über 30 Millionen Besucherinnen und Besuchern pro Jahr übersteigt die Zahl der Touristinnen und Touristen die der lokalen Bevölkerung um ein Vielfaches. Die Folgen sind steigende Mieten, die Verdrängung der einheimischen Bevölkerung und Schäden an historischen Gebäuden durch Erosion. Die Stadt hat mit Maßnahmen wie einem Eintrittsgeld für Tagesgäste, der Sperrung bestimmter Bereiche für Kreuzfahrtschiffe und der Begrenzung von Kurzzeitvermietungen reagiert.
  • Barcelona (Spanien): Die katalanische Hauptstadt kämpft seit Jahren mit den Folgen des Massentourismus. Besonders betroffen ist das Viertel La Rambla, wo sich Touristinnen und Touristen, Straßenhändler und Bettlerinnen und Bettler drängen. Die Stadt hat unter anderem die Neueröffnung von Hotels in der Innenstadt verboten und die Vermietung von Wohnungen an Touristinnen und Touristen stark eingeschränkt.
  • Machu Picchu (Peru): Die Inka-Ruinenstadt ist eines der meistbesuchten Weltkulturerbe-Stätten und leidet unter Erosion und Umweltverschmutzung durch die jährlich über 1,5 Millionen Besucherinnen und Besucher. Seit 2017 gelten strenge Besucherregelungen, darunter Zeitfenster-Tickets und ein Verbot für bestimmte Wanderrouten, um den Tourismus-Druck zu reduzieren.
  • Amsterdam (Niederlande): Die niederländische Hauptstadt hat mit Gentrifizierung, steigenden Mieten und der Kommerzialisierung des Rotlichtviertels zu kämpfen. Die Stadt hat unter anderem Werbung für den „Partytourismus" eingestellt, die Eröffnung neuer Hotels eingeschränkt und ein Verbot für neue Souvenirläden in der Innenstadt erlassen.
  • Dubrovnik (Kroatien): Die Altstadt von Dubrovnik, bekannt als Drehort der Serie „Game of Thrones", verzeichnete in den letzten Jahren einen extremen Anstieg der Besucherzahlen. Die UNESCO warnte vor irreparablen Schäden an den historischen Stadtmauern. Seitdem gilt eine Obergrenze von 4.000 Besucherinnen und Besuchern gleichzeitig in der Altstadt, und Kreuzfahrtschiffe dürfen nur noch begrenzt anlegen.

Risiken und Herausforderungen

  • Umweltzerstörung: Hoher Tourismus-Druck führt zu Bodenverdichtung, Erosion, Verschmutzung von Gewässern und der Zerstörung von Lebensräumen für Tiere und Pflanzen. Besonders betroffen sind fragile Ökosysteme wie Korallenriffe oder Hochgebirgsregionen, die sich nur langsam regenerieren.
  • Soziokulturelle Konflikte: Die Verdrängung der lokalen Bevölkerung durch steigende Lebenshaltungskosten oder die Kommerzialisierung kultureller Traditionen führt oft zu Spannungen zwischen Einheimischen und Touristinnen und Touristen. In extremen Fällen kommt es zu Protesten oder Boykotten, wie etwa in Barcelona oder Venedig.
  • Wirtschaftliche Abhängigkeit: Eine einseitige Ausrichtung auf den Tourismus macht Regionen anfällig für externe Schocks wie Wirtschaftskrisen, Naturkatastrophen oder Pandemien. Die COVID-19-Pandemie hat gezeigt, wie schnell tourismusabhängige Regionen in wirtschaftliche Schwierigkeiten geraten können.
  • Infrastrukturelle Überlastung: Öffentliche Verkehrsmittel, Wasser- und Abwassersysteme sowie Gesundheitsdienste sind oft nicht auf die hohen Besucherzahlen ausgelegt. Dies führt zu Engpässen, höheren Kosten für die lokale Bevölkerung und einer Verschlechterung der Lebensqualität.
  • Verlust der Authentizität: Durch die Anpassung an die Bedürfnisse von Touristinnen und Touristen verlieren Destinationen oft ihre kulturelle Identität. Lokale Traditionen werden kommerzialisiert, und die Infrastruktur wird zunehmend auf den Tourismus ausgerichtet, was die Attraktivität für Einheimische mindert.
  • Klimawandel: Der Tourismussektor ist für etwa 8 % der globalen Treibhausgasemissionen verantwortlich, wobei der Flugverkehr einen erheblichen Anteil ausmacht. Hoher Tourismus-Druck verstärkt diesen Effekt, da mehr Reisende mehr Emissionen verursachen. Gleichzeitig sind viele Destinationen selbst vom Klimawandel betroffen, etwa durch steigende Meeresspiegel oder Hitzewellen.

Ähnliche Begriffe

  • Overtourism: Ein Extremfall des Tourismus-Drucks, bei dem die negativen Auswirkungen so gravierend sind, dass sie die Lebensqualität der lokalen Bevölkerung und die Attraktivität der Destination spürbar beeinträchtigen. Overtourism führt häufig zu Protesten oder drastischen Gegenmaßnahmen wie Besucherlimits.
  • Tourismusbelastung: Bezeichnet primär die ökologischen und infrastrukturellen Folgen des Tourismus, ohne die soziokulturellen Aspekte einzubeziehen. Der Begriff wird oft im Zusammenhang mit Umweltstudien verwendet.
  • Massentourismus: Eine Form des Tourismus, die durch große Besucherzahlen und standardisierte Angebote gekennzeichnet ist. Massentourismus kann zu Tourismus-Druck führen, ist aber nicht zwangsläufig negativ, solange er kontrolliert stattfindet.
  • Nachhaltiger Tourismus: Ein Tourismuskonzept, das darauf abzielt, die negativen Auswirkungen des Tourismus zu minimieren und gleichzeitig wirtschaftliche, ökologische und soziale Vorteile für die Destination zu generieren. Nachhaltiger Tourismus ist eine mögliche Lösung zur Reduzierung des Tourismus-Drucks.
  • Destinationsmanagement: Die strategische Planung und Steuerung einer Destination, um den Tourismus-Druck zu kontrollieren und eine nachhaltige Entwicklung zu fördern. Dazu gehören Maßnahmen wie Besucherlenkung, Marketingstrategien und die Zusammenarbeit mit lokalen Akteuren.

Zusammenfassung

Tourismus-Druck beschreibt die negativen Auswirkungen, die durch eine hohe Konzentration von Touristinnen und Touristen auf eine Destination entstehen. Er umfasst ökologische, soziokulturelle und wirtschaftliche Belastungen, die langfristig die Lebensqualität der lokalen Bevölkerung und die Attraktivität der Region beeinträchtigen können. Zur Messung und Steuerung des Tourismus-Drucks werden verschiedene Indikatoren und Modelle eingesetzt, darunter die Tourismusintensität oder Geodatenanalysen. Bekannte Beispiele wie Venedig, Barcelona oder Machu Picchu zeigen, wie extrem die Folgen von unkontrolliertem Tourismus sein können. Maßnahmen wie Besucherlimits, Eintrittsgelder oder nachhaltige Tourismuskonzepte sollen helfen, den Tourismus-Druck zu reduzieren und eine ausgewogene Entwicklung zu fördern. Langfristig ist ein Umdenken hin zu einem verantwortungsvollen und nachhaltigen Tourismus notwendig, um die negativen Auswirkungen zu minimieren und die Vorteile des Tourismus für alle Beteiligten zu sichern.

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